Geschlechtsgebundene Vererbung

Bei einer Vielzahl an Erbfaktoren in der Tauben Genetik ist von geschlechtsgebundener Vererbung die Rede. Dies bedeutet dass ein entsprechendes Merkmal im Erbgefüge über die Geschlechtschromosomen vererbt werden. In diesem Beitrag will ich Euch an einem Beispiel mit der Grundfarbe demonstrieren welche Informationen bei der geschlechtsgebundenen Vererbung jeweils vom Vater (Täuber) und der Mutter (Täubin) vererbt werden.

Vorab ist es aber wichtig zu verstehen, dass ein Täuber die Information für Grundfarbe doppelt trägt. Er erhält seine beiden Grundfarben Informationen einmal vom Vater und einmal von der Mutter. Eine Täubin hingegen trägt die Information für die Grundfarbe nur einfach. Die Täubin bekommt Ihre Grundfarben Information ausschließlich von Ihrem Vater. Von Ihrer Mutter bekommt sie an dieser Stelle ebenfalls eine Erbinformation. Diese hat aber keine Auswirkungen auf die Grundfarbe. In der Genetik wird diese für uns nicht relevante Information mit einem X ersetzt.

Beispiel:

Geschlechtsgeb_VererbIm Beispiel kombinieren wir einen blauen Täuber (blau = schwarze Grundfarbe) mit einer roten Täubin. Der Täuber trägt die Information von geschlechtsgebunden vererbten Merkmalen immer zweifach. Die Täubin hingegen trägt die Information von geschlechtsgebunden vererbten Merkmalen nur einfach. In der Beispiel Grafik sehen wir deshalb beim Täuber zweimal die Erbinformation für schwarz. Die rote Täubin hingegen trägt nur einfach die Erbinformation für rot. Die für die Grundfarbe nicht relevante Information welche die Täubin an dieser Stelle im Erbgefüge trägt wird wie oben beschrieben mit einem X ersetzt.

Was können wir nun aus dem oben dargestellten Beispiel ableiten? Sehen wir uns die Kombinationsmöglichkeiten genauer an. Wir erhalten zweimal das Ergebnis „schwarz-rot“. Da wir nun wissen dass nur Täuber die Grundfarben Information doppelt tragen, erkennen wir dass die „schwarz-rot“ Kombinationen Täuber sind. Sie tragen äußerlich die Rote Grundfarbe, sind aber Mischerbig für Schwarz, werden also schwarze Tintenflecken tragen (Siehe hierzu den Beitrag Reinerbig und Mischerbig). Als weiteres Ergebnis erhalten wir „schwarz-x“. Wir wissen nun, dass Täubinnen die Grundfarben Information nur einfach tragen. Somit können wir ganz einfach ableiten, dass alle blau farbigen Tiere aus der Beispiel Verpaarung definitiv Weibchen sein werden. Alle roten Tiere werden definitiv Täuber sein (Siehe hierzu den Beitrag Die Vererbung der Grundfarben).

Spinnen wir das Rad einen Schritt weiter. Geschlechtsgebundene Vererbung kann rezessiv geschlechtsgebunden sowie dominant geschlechtsgebunden erfolgen. Das hört sich im ersten Moment kompliziert an, ist es aber gar nicht.

Beispiel für rezessiv geschlechtsgebundene Vererbung:

rez_gb_veDer Einfachheit halber nehmen wir wieder ein Beispiel mit der Grundfarbe. Die Braune Grundfarbe wird rezessiv geschlechtsgebunden vererbt. Im der Beispiel Grafik links sehen wir die Kombination eines braunen Täubers und einer roten Täubin. Wie wir in den Kombinationsmöglichkeiten sehen, haben wir zwei mal die Kombination „braun-rot“. Wir wissen, dass sich braun rezessiv zu rot verhält. Deshalb können wir also ableiten, dass die „braun-rot“ Kombination äußerlich Rote Täuber sein werden. Diese sind allerdings mischerbig für braun. Deshalb werden die Roten Täuber braune Tintenflecken tragen. Als weitere Kombinationsmöglichkeit sehen wir „braun-x“. Somit können wir also schon im Nest bestimmen, dass braune Tiere aus dieser Verpaarung definitiv Weibchen sein werden. Alle Roten Tiere werden wie im Beispiel oben definitiv Täuber sein.

Beispiel für dominant geschlechtsgebundene Vererbung:

Almond_VererbungIn diesem Beispiel nehmen wir den Erbfaktor Almond. Dieser wird dominant geschlechtsgebunden vererbt. Weil Almond ein dominanter Erbfaktor ist, zeigen Täuber äußerlich die Almond Färbung auch dann, wenn sie nur mischerbig für Almond sind. Eine Almond Täubin kann die Erbinformation auf den Geschlechtschromosomen wiederum nur einfach tragen. An die zweite Stelle setzen wir deshalb auch hier ein X. In der Beispiel Grafik sehen wir die

0.1 Almond 1 Jährig

0.1 Almond 1 Jährig

Verpaarung von einem Täuber der „kein Almond“ trägt mit einer Almond Täubin (Almond-X). Aus den sich darstellenden Kombinationsmöglichkeiten können wir Folgendes ableiten: Trägt ein Tier aus dieser Verpaarung den Almond Erbfaktor, so wird dieses Tier definitiv ein Täuber sein. Alle Weibchen aus dieser Verpaarung werden definitiv keinen Almond Erbfaktor tragen.

Die Vererbung der Grundfarben

Die Vererbung der Grundfarben bei Brieftauben unterliegt den Regeln der geschlechtsgebundenen Vererbung. Die Erbinformation für die Grundfarbe liegt demnach auf den Geschlechtschromosomen. Weibliche Brieftauben tragen die Erbinformation für die Grundfarbe nur einfach, während männliche Brieftauben die Erbinformation für Grundfarbe doppelt auf den Geschlechtschromosomen tragen.

Schwingen einer Dominant roten Brieftaube,  mischerbig für Schwarz

Schwingen einer Dominant roten Brieftaube, mischerbig für Schwarz, ersichtlich an den schwarzen Tintenflecken.

Demnach können Täuber beides, reinerbig oder mischerbig für die Grundfarbe sein. Ein Beispiel zum Verständnis für Reinerbigkeit und Mischerbigkeit finden Sie in folgendem Beitrag: Reinerbigkeit und Mischerbigkeit. Ist ein Täuber mischerbig für die Grundfarbe, beispielsweise für rot und schwarz, so wird er in seinem äußeren Erscheinungsbild aufgrund der Dominanz von rot über schwarz, die rote Farbe tragen obwohl er genetisch auch die Erbinformation für die schwarze Farbe trägt. Dies ist auch anhand von schwarzen Tintenflecken im Gefieder ersichtlich.

Weibchen hingegen können nach den Regeln der geschlechtsgebundenen Vererbung nicht mischerbig für die Grundfarbe sein. Sie erhalten die Erbinformation für die Grundfarbe nur einfach von Ihrem Vater vererbt. Dies bedeutet, dass Weibchen gentechnisch immer die Grundfarbe besitzen welche sie im äußeren Erscheinungsbild tragen. Für die den Weibchen fehlende Erbinformation wird in der Genetik zur Vereinfachung ein X verwendet.

Welche Grundfarbe eine Brieftaube bei der Vererbung erhält, unterliegt der Regel von Rezessivität und Dominanz der Grundfarben.

Kurz und einfach kann man es wie folgt darstellen:

  • Die rote Grundfarbe verhält sich dominant über die schwarze und braune Grundfarbe.
  • Die schwarze Grundfarbe verhält sich dominant über die braune Grundfarbe.
  • Die schwarze Grundfarbe verhält sich rezessiv zur roten Grundfarbe.
  • Die braune Grundfarbe verhält sich rezessiv zur roten und zur schwarzen Grundfarbe

Beispiel 1:

Beispiel_1Verpaaren wir einen reinerbig roten Täuber mit einer schwarzen Täubin, so erhalten wir in der Nachzucht folgende Jungtiere: 50 Prozent rote Weibchen und 50 Prozent äußerlich rote Täuber welche aber alle mischerbig für die schwarze Grundfarbe sind.

 Beispiel 2:

Beispiel_2Verpaaren wir einen mischerbigen Täuber für rot und schwarz aus Beispiel 1 zurück an seine schwarze Mutter, so erhalten wir in der Nachzucht folgende Jungtiere: 25 Prozent sind rote Weichen, 25 Prozent schwarze Weibchen, 25 Prozent schwarze Täuber in Reinerbigkeit, 25 Prozent rote Täuber mischerbig für schwarz.

 Beispiel 3:

Beispiel_3Verpaaren wir einen reinerbig schwarzen Täuber mit einer braunen Täubin, so erhalten wir in der Nachzucht folgende Jungtiere: 50 Prozent schwarze Weibchen und 50 Prozent äußerlich schwarze Täuber welche aber alle mischerbig für die braune Grundfarbe sind.

 Beispiel 4:

Beispiel_4Verpaaren wir einen mischerbigen Täuber für braun und schwarz aus Beispiel 3 zurück an seine braune Mutter, so wird die Nachzucht folgende Jungtiere bringen: 25 Prozent braune Weibchen, 25 Prozent schwarze Weibchen, 25 Prozent braune Täuber in Reinerbigkeit, 25 Prozent schwarze Täuber mischerbig für braun.