Die Vererbung der Grundfarben

Die Vererbung der Grundfarben bei Brieftauben unterliegt den Regeln der geschlechtsgebundenen Vererbung. Die Erbinformation für die Grundfarbe liegt demnach auf den Geschlechtschromosomen. Weibliche Brieftauben tragen die Erbinformation für die Grundfarbe nur einfach, während männliche Brieftauben die Erbinformation für Grundfarbe doppelt auf den Geschlechtschromosomen tragen.

Schwingen einer Dominant roten Brieftaube,  mischerbig für Schwarz

Schwingen einer Dominant roten Brieftaube, mischerbig für Schwarz, ersichtlich an den schwarzen Tintenflecken.

Demnach können Täuber beides, reinerbig oder mischerbig für die Grundfarbe sein. Ein Beispiel zum Verständnis für Reinerbigkeit und Mischerbigkeit finden Sie in folgendem Beitrag: Reinerbigkeit und Mischerbigkeit. Ist ein Täuber mischerbig für die Grundfarbe, beispielsweise für rot und schwarz, so wird er in seinem äußeren Erscheinungsbild aufgrund der Dominanz von rot über schwarz, die rote Farbe tragen obwohl er genetisch auch die Erbinformation für die schwarze Farbe trägt. Dies ist auch anhand von schwarzen Tintenflecken im Gefieder ersichtlich.

Weibchen hingegen können nach den Regeln der geschlechtsgebundenen Vererbung nicht mischerbig für die Grundfarbe sein. Sie erhalten die Erbinformation für die Grundfarbe nur einfach von Ihrem Vater vererbt. Dies bedeutet, dass Weibchen gentechnisch immer die Grundfarbe besitzen welche sie im äußeren Erscheinungsbild tragen. Für die den Weibchen fehlende Erbinformation wird in der Genetik zur Vereinfachung ein X verwendet.

Welche Grundfarbe eine Brieftaube bei der Vererbung erhält, unterliegt der Regel von Rezessivität und Dominanz der Grundfarben.

Kurz und einfach kann man es wie folgt darstellen:

  • Die rote Grundfarbe verhält sich dominant über die schwarze und braune Grundfarbe.
  • Die schwarze Grundfarbe verhält sich dominant über die braune Grundfarbe.
  • Die schwarze Grundfarbe verhält sich rezessiv zur roten Grundfarbe.
  • Die braune Grundfarbe verhält sich rezessiv zur roten und zur schwarzen Grundfarbe

Beispiel 1:

Beispiel_1Verpaaren wir einen reinerbig roten Täuber mit einer schwarzen Täubin, so erhalten wir in der Nachzucht folgende Jungtiere: 50 Prozent rote Weibchen und 50 Prozent äußerlich rote Täuber welche aber alle mischerbig für die schwarze Grundfarbe sind.

 Beispiel 2:

Beispiel_2Verpaaren wir einen mischerbigen Täuber für rot und schwarz aus Beispiel 1 zurück an seine schwarze Mutter, so erhalten wir in der Nachzucht folgende Jungtiere: 25 Prozent sind rote Weichen, 25 Prozent schwarze Weibchen, 25 Prozent schwarze Täuber in Reinerbigkeit, 25 Prozent rote Täuber mischerbig für schwarz.

 Beispiel 3:

Beispiel_3Verpaaren wir einen reinerbig schwarzen Täuber mit einer braunen Täubin, so erhalten wir in der Nachzucht folgende Jungtiere: 50 Prozent schwarze Weibchen und 50 Prozent äußerlich schwarze Täuber welche aber alle mischerbig für die braune Grundfarbe sind.

 Beispiel 4:

Beispiel_4Verpaaren wir einen mischerbigen Täuber für braun und schwarz aus Beispiel 3 zurück an seine braune Mutter, so wird die Nachzucht folgende Jungtiere bringen: 25 Prozent braune Weibchen, 25 Prozent schwarze Weibchen, 25 Prozent braune Täuber in Reinerbigkeit, 25 Prozent schwarze Täuber mischerbig für braun.

Die Grundfarben

Brieftauben können in den meisten Fällen anhand Ihres äußeren Erscheinungsbildes ihrer entsprechenden Grundfarbe zugeordnet werden. Dennoch existieren einige Erbfaktoren die das äußere Erscheinungsbild mehr oder weniger stark modifizieren. Dies erschwert teilweise eine entsprechende Zuordnung. Ebenfalls gibt es Erbfaktoren welche die Grundfarbe komplett überdecken. So zum Beispiel das “Rezzesiv Rot“. Neben der weißen Grundfarbe welche als Sonderfall betrachtet werden muss, kann zwischen drei verschiedenen Grundfarben unterschieden werden:

Die schwarze Grundfarbe:

blaubindige_Brieftaube

Blaubindig (schwarze Grundfarbe)

Der Vorfahre aller domestizierten Taubenrassen und somit auch der Brieftauben ist die Felsentaube. Die blaubindigen Felsentauben tragen die schwarze Grundfarbe in Reinerbigkeit. Dies ist mitunter der Grund, warum schwarz die am häufigsten vorkommende Grundfarbe aller Taubenrassen darstellt. Der schwarzen Grundfarbe können alle Varianten der blauen und schwarzen Farbschläge zugeordnet werden.

Die rote Grundfarbe:

dominantrote_Brieftaube

Dominant Rot (rote Grundfarbe)

Die rote Grundfarbe wird mitunter als Brieftaubenrot, Aschrot oder Dominant Rot bezeichnet. Die rote Grundfarbe entstand aus einer Mutation der schwarzen Grundfarbe. Typisch für Brieftauben mit roter Grundfarbe ist die hellgraue Färbung der Schwingen und Schwanzfedern, welche oft auch als “Fahl” bezeichnet wird.

Die braune Grundfarbe:

Braunschimmel_0.1

Braun Schimmel (braune Grundfarbe)

Die braune Grundfarbe entstand ebenfalls aus einer Mutation aus der schwarzen oder der roten Grundfarbe. Brieftauben mit brauner Grundfarbe sind relativ selten zu finden. Braun wurde erst relativ spät in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts als eigenständige Grundfarbe erkannt.

 

Paarungen von Brieftauben mit verschiedenen Grundfarben sind im Ergebnis relativ leicht vorhersehbar. Dies liegt daran, dass sich die Grundfarben in gegenseitigem Verhältnis entsprechend dominant oder rezessiv verhalten.  Sehen Sie dazu den Artikel => Die Vererbung der Grundfarben.

Der Ausbreitungsfaktor für Farbe (Spread)

0.1 Einfarbig Schwarz (Spread)

0.1 Einfarbig Schwarz (Spread) 1 Jährig

Der Ausbreitungsfaktor für Farbe wurde in der Genetik mit dem Symbol S versehen. S steht für Spread, englisch für ausbreiten. Der Ausbreitungsfaktor bewirkt, dass sich die Grundfarbe der Brieftaube über das gesamte Gefieder ausbreitet und die Zeichnungsanlagen überdeckt werden. Trägt eine Brieftaube den Ausbreitungsfaktor für Farbe, so wird Ihr äußerliches Erscheinungsbild einfarbig sein. So zum Beispiel einfarbig schwarz, einfarbig braun oder einfarbig rot (dominant rot).

0.1 Einfarbig Braun (Spread) 2 Jährig

0.1 Einfarbig Braun (Spread) 2 Jährig

Der Ausbreitungsfaktor für Farbe gehört nicht zu den Zeichnungsanlagen der Brieftauben sondern ist ein eigenständiges Gen im Erbgefüge. Die Zeichnungsanlagen sind trotz der Einfarbigkeit vorhanden und werden lediglich überdeckt. Bei wenig intensiv gefärbten einfarbigen Brieftauben kann man die Zeichnungsanlagen unter der Einfarbigkeit durchschimmern sehen. Intensiv gefärbte Einfarbige lassen keine Zeichnungsanlagen erahnen. Wer wissen will was ein Tier unter dem Ausbreitungsfaktor für Farbe trägt, kann mit einer Test Paarung und den Regeln der Vererbung der Zeichnungsanlagen leicht bestimmen was das Tier unter seinem “Spread Mantel” trägt.

  • Brieftauben aus dem blauen Farbschlag (schwarze Grundfarbe) erscheinen bei Vorhandensein von Spread einfarbig schwarz.
  • Brieftauben mit roter Grundfarbe erscheinen bei Vorhandensein von Spread einfarbig fahl.
  • Brieftauben mit brauner Grundfarbe erscheinen bei Vorhandensein von Spread einfarbig braun (schokoladenfarbig).
1.0 Einfarbig mit durchschimmernden Zeichnungsanlagen - Erdbeefarbig

1.0 Einfarbig mit durchschimmernden Zeichnungsanlagen – Erdbeefarbig

Die Intensität der Färbung von einfarbigen Brieftauben ist variabel und steht auch in Abhängigkeit vom Vorhandensein weiterer modifizierender Erbfaktoren. Somit ist auch das Erscheinungsbild der Einfarbigen variabel. Bei einfarbig Roten (aschfarbigen) Brieftauben können in Kombination mit blaubindigen oder gehämmerten Tieren interessante Varianten entstehen. Das Bild links zeigt einen bläulich roten Vogel (mischerbig für rot und schwarz) welcher den Ausbreitungsfaktor für Farbe trägt. Seine farbliche Intensität aber ist relativ gering, deshalb schimmern die Zeichnungsanlagen deutlich unter dem Spread Faktor durch. Dieser Farbschlag wird auch Strawberry (erdbeerfarbig) genannt.

0.1 Rubella Spread gehämmert mit schöner Säumung

0.1 Rubella Spread gehämmert mit schöner Säumung 2 Jährig

Andere Erbfaktoren wiederum werden von Spread nicht völlig überdeckt. So treten zum Beispiel bei Rubella und Reduced in Kombination mit Spread die Zeichnungsanlagen als Säumung hervor. Dies kann ebenfalls beim vorhanden sein von Dominant Opal, Toy Stencil und weiteren Erbfaktoren der Fall sein.